En Detail: Banksy – Girl Without a Balloon im MUCA

Bis 13. April zeigt das MUCA im Bunker in der Hotterstr. 12 Banksys wohl bekanntes Werk, das den Kunstmarkt auf den Kopf stellte

Kaum ein Bild hat in den letzten Jahren so viel Aufsehen erregt wie Banksys „Girl Without a Balloon“, das im Katalog von Sotheby’s noch unter „Girl with Balloon“ gelistet war, zumindest bis zu diesem denkwürdigen 5. Oktober 2018 in der New Bond Street. Schnittchen wurden gereicht, Champagner geschlürft – Eigentlich sollte es ein ganz normaler Abend im altehrwürdigen Auktionshaus werden, an dem auch Damien Hirsts „Beautiful Autumn Painting“, drei Gemälde von Georg Baselitz, ein Keith Harring und Andy Warhols Portrait von Joseph Beuys unter den Hammer kommen.

Doch als der Posten DN 76/150 „Girl With Balloon“ aufgerufen wird, kommt alles anders. Die Gebote schnellen nach oben und aus den an- fänglichen 200.000 £, werden 1.042.000 £. Dann fällt der Hammer und just in dem Moment, geht ein Aufschrei durch das Publikum und eine Sirene ertönt. Wie von Geisterhand schneidet ein in dem goldenen Rahmen versteckter Shredder das Bild in Streifen. Hier dürfte so manchem Sammler im Publikum sein Kaviarhappen im Hals steckengeblieben sein.

Nachdem das Gemälde über die Hälfte in Streifen geschnitten war, wurde es von aufgeregten Mitarbeitern abtransportiert und der Medienrummel begann, befeuert durch Banksys eigene Posts auf Social Media. Dass an diesem Auktionstermin ausgerechnet auch eine Arbeit von Lucio Fontana auf der Versteigerungsliste stand, also von einem Avantgarde-Künstler, dessen bekanntestes Hauptwerk aus geschlitzten Leinwänden besteht, entbehrt dabei nicht einer gewissen Ironie.

Kritik am Kunstmarkt wurde zum Marketing-Stunt

Die Zerstörung des Bildes war, wie ein wenig später veröffentlichtes YouTube-Video von Banksy beweist, bereits lange geplant und der Shredder präzise in den Rahmen integriert worden. Wie das Video ebenso zeigt, war ursprünglich sogar geplant, das Bild komplett zu zerstören. Doch hier schlug der clever ausgeklügelte Plan fehl und der Shredder stoppte nach knapp der Hälfte.

Die Kritik am Kunstmarkt wurde zum Marketing-Stunt, der Wert des Bildes schoss sogar noch nach oben. Bei einer nicht minder spektakulären Auktion wechselte das Werk für über 18 Millionen Pfund erneut den Besitzer. Auch wechselte es danach nochmals seinen Namen in „Girl Without Balloon“. Das ursprüngliche Gemälde entstand im Jahr 2006 und wiederholt eines der bekanntesten Motive von Banksys Graffitis. Hinter dickem Glas gesichert, was wiederum den ursprünglichen Street Art-Gedanken, die Kunst auf die Straße zu bringen, konterkariert, zeigt das MUCA bis 13. April das Gemälde im Originalrahmen in dem ehemaligen Luftschutzbunker in der Hotterstraße.

Banksy: „Girl Without Ballon” bis 13. April, Sa u. So von 12 bis 18 Uhr, im Ticketpreis inbegriffen ist der Besuch des MUCA Bunker (Hotterstr. 12) und des Kunstlabor 2 (Dachauer Str. 90).