Promis der Klassik-Szene präsentieren Musik ihrer Leib- und Magenkomponisten
Deutsches Symphonie Orchester Berlin: Robertson, Gil Shaham / Tschaikowsky, Rachmaninow
Glaubt man der Umfrage eines englischen Fachmagazins, so war Sergej Rachmaninow der wahrscheinlich größte Klaviervirtuose aller Zeiten. Diese Einschätzung kommt dabei aber keineswegs von einem Plattenlabel oder der Redaktion allein. Es ist der Konsens von 100 prominenten Pianistinnen und Pianisten, die hier ihren Favoriten kürten. Doch während seine Fingerfertigkeit außer Zweifel steht, darf auch hin und wieder gern mal eine Lanze für seine Orchesterwerke gebrochen werden. Etwa für seine „Symphonischen Tänze“, die nun beim Gastspiel des Deutschen Symphonie Orchesters Berlin auf dem Programm stehen. Rachmaninows letzte vollendete Komposition, die 1940 im amerikanischen Exil entstand, zieht das Resümee eines Künstlerlebens und sollte Dirigent David Robertson mit ihrer schillernden Instrumentierung reichlich Gelegenheit geben, das Orchester von seiner besten Seite zu zeigen. Ein weiteres russisches Meisterwerk steht im ersten Teil des Abends mit dem berühmten Violinkonzert von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky auf dem Programm. Ein Virtuosenstück erster Klasse, das beim renommierten Geiger Gil Shaham in besten Händen ist. (6.3. Isarphilharmonie)
Münchner Symphoniker: Debus / Kobekina / Beethoven, Schumann, Dvořák
Eine ähnliche Brücke über den Atlantik schlagen kurz darauf auch die Münchner Symphoniker, die sich unter der Leitung von Johannes Debus die Symphonie „Aus der Neuen Welt“ vornehmen, für die sich Antonín Dvořák während seinem USA-Aufenthalt von Mythen der amerikanischen Ureinwohner ebenso inspirieren ließ wie von Spirituals, die einst von Plantagen-Sklaven gesungen wurden. Eröffnet wird das Konzert jedoch von einem anderen Komponisten, der ähnlich politisch engagiert war. Ludwig van Beethoven, von dem dies – mal die „Coriolan“-Ouvertüre erklingt. Eingerahmt hiervor ist Shooting-Star Anastasia Kobekina zu hören, die sich bei ihrer Rückkehr an die Isar mit dem Cello-Konzert von Robert Schumann präsentiert. (9.3. Isarphilharmonie)
Janoska Ensemble
International weiter geht es ebenfalls in Münchens neuestem Konzertsaal, dem Bergson. Hier gastiert Mitte des Monats das Janoska Ensemble, das einen bunten Streifzug durch die Epochen und Musikstile unternimmt. Zum 300. Jubiläum der „Vier Jahreszeiten“ zeigt man Vivaldis Dauerbrenner hier im „Janoska Style“. Unter Berufung auf die Improvisationskünstler des Barock werden dabei „Frühling“, „Sommer“ und „Winter“ mit neuen Arrangements anderer klassischer Ohrwürmer verwoben. Worunter sich die „Fledermaus“-Ouvertüre ebenso findet wie Bizets „Carmen“-Fantasie oder Paul McCartneys „Yesterday“. Wer Spaß an Crossover im besten Sinne hat, sollte hier gut aufgehoben sein. (14.3. Bergson, Elektra Tonquartier)
Komponistenporträt Peteris Vasks
Etwas ernster wird es hingegen wieder beim Münchener Kammerorchester, das die jüngst Runde seiner „Nachtmusik der Moderne“ dem lettischen Komponisten Pēteris Vasks widmet. Wie bei dieser spannenden Reihe üblich wird er in der Pinakothek der Moderne zunächst in einem Podiumsgespräch Rede und Antwort stehen, um dann im Anschluss daran gemeinsam mit dem Publikum seine soghafte Symphonie Nr. 1 „Stimmen“ zu hören. Ein emotional aufgeladenes Werk das 1991 genau in dem Jahr seine Uraufführung feierte, in dem Vasks baltische Heimat endlich ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion erlangte. Jüngeren Datums ist hingegen das zweite Stück des Abend, das 2010 begonnene Cello-Konzert Nr. 2 mit dem Untertitel „Präsenz“. Und hier gibt es dann die Gelegenheit Anastasia Kobekina nach ihrer Schumann-Interpretation gleich noch einmal von einer anderen Seite kennenzulernen. Die musikalische Gesamtleitung liegt bei Konzertmeisterin Yuki Kasai. (15.3. Pinakothek der Moderne)
ESFAHANI, KASAI UND DAS MKO
Diese Führungsrolle behält die japanische Geigerin gleich auch für das folgende Abonnement-Konzert des MKO, bei dem man den aus Teheran stammenden Cembalisten Mahan Esfahani als Gast begrüßt. Und wie es sein Instrument bereits vermuten lässt, führt das Repertoire dann zurück in die Barockzeit. Zum e-moll Konzert von Carl Philipp Emmanuel Bach und zu Boccherinis „Casa del diavolo“. Doch weil man mit Schubladendenken bei Esfahani nicht weit kommt, erwartet das Publikum zum Ausklang des Abends auch noch Bohuslav Martinůs neoklassisches Cembalokonzert aus dem Jahr 1935. Was als modernes Gegengewicht ebenso seinen Zweck erfüllen dürfte wie Othmar Schoecks „Sommernacht“. (20.3. Prinzregententheater)
Evgeny Kissin
Einen gewagten Spagat versucht eine Woche später auch der gefeierte Klavier- Superstar Evgeny Kissin. Seine Münchner Fangemeinde darf sich neben Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 2 in cmoll unter anderem auf eine Auswahl von „Nocturnes“ aus der Feder von Frédéric Chopin freuen, der von jeher zu den Leib- und Magenkomponistin des russischen Pianisten zählt. Davon legen zahlreiche Einspielungen Kissins Zeugnis ab. Spannend werden dürfte aber vor allem seine Sicht auf die Musik von Dmitri Schostakowitsch, der mit der Sonate Nr. 2 in h-moll sowie mit seinen „Preludes und Fugen“ vertreten ist. Ein Abend, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. (24.3. Isarphilharmonie)