Der Filmtipp: „Fanni – Oder: Wie rettet man ein Wirtshaus?“ von Hubert Neufeld

„I mach des einfach“ – Franz Furtner über unseren Filmtipp des Monats „Fanni – Oder: Wie rettet man ein Wirtshaus?“ von Hubert Neufeld. Ab 24.4. im Kino.

In ganz Bayern grassiert das Wirtshaussterben. In ganz Bayern? Nein! Ein von unbeugsamen Galli… ah… Bayern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Wirtshaussterben Widerstand zu leisten. Pischelsdorf heißt der Ort, er gehört zur Gemeinde Reichertshausen im Landkreis Pfaffenhofen. Hier stand und verfiel seit ca. 30 Jahren ungenutzt die geschlossene Tafernwirtschaft Riedmaier, die von den Leuten im Dorf liebevoll „Fanni“ genannt wurde – nach der letzten Wirtin Franziska Riedmaier. Ein paar Leute aus dem Dorf – der Thomas, der Klaus, der Norbert, der Konrad und noch ein paar mehr – haben das nicht mehr mit anschauen können, die Initiative ergriffen und dazu aufgerufen geeinsam das alte Wirtshaus wieder herzurichten und so auch einen neuen, alten Treffpunkt im Ort zu schaffen. Den ganzen Prozess von der Idee zur Wiedereröffnung begleitet Regisseur Hubert Neufeld in seinem Regiedebüt mit klarem Blick für das Kleine im Großen und vice versa. So hören wir soziologische Ausführungen zur Bedeutung des Wirtshauses von Expert*innen wie der Stadtplanerin Barbara Hummel und dem Historiker und ehemaligen Wirt Hans Schneider und dazwischen Gschichterln: wie zum Beispiel die Wirtin Fanni 1981 den 16-jährigen Wolfgang erst nicht in die Stube gelassen und dann doch „sauba ausgflaschlt“ hat. Besonderes Schmankerl sind die wehmütig-humorig treffsicheren Ausführungen von Gerhard Polt, die im ganzen Film immer wieder eingesprengselt werden. Aber nicht nur die Kommentatoren, sondern im Besonderen auch die Protagonisten -allesamt Unikate- machen den Film zu einem ebensolchen.

Die vier, deren Namen oben schon genannt sind, brennen für ihre Sache, sind schlagfertig und reflektiert. So ist man gerührt, wenn der Konrad erzählt, dass die „Fanni“ genau zwischen seinem Geburtshaus und seiner geplanten letzten Ruhestätte steht, schmunzelt, wenn der Thomas sich tiefstapelnd „Depp vom Dienst, der die Brotzeit holt“ nennt und lacht, wenn der Norbert beim Verbauen der Solarpanele sagt: „Mia fangan in da Mittn o, weil mia uns hint und vorn ned auskenna.“ Zwischen dem Humor wissen die vier, die sich abseits des Baustellengeschehens auch am heimischen Schreibtisch um Organisation und Bürokratie des Projektes kümmern, aber auch genau, um die Tragweite ihres Tuns: „Ohne Mittelpunkt, wo sich was rührt, ist man kein Dorf mehr, sondern nur noch eine Siedlung.“ Ohne Scheu legen sie los, mobilisieren, machen und tun, dass schlussendlich auch die Weltpolitik, die in Form des Ukrainekriegs in die Bauarbeiten eindringt und macht, dass diverse Stoffe nicht geliefert werden können, sie nicht mehr aufhalten können. Über 50 Leute helfen schließlich mit. Zugezogene und Alteingesessene ziehen an einem Strang, um dann später bei einer Halben Bier an einem Tisch sitzen zu können. Der Regisseur hat sichtliche Freude an dem, was er da einfängt und diese überträgt sich auch auf den Zuschauer, sodass man schließlich zugleich beseelt und voller Tatendrang das Kino verlässt und dann doch erstmal auf ein Bier geht.