The Lonely Broccoli: Von der Flamme geküsst

Das Restaurant The Lonely Broccoli im Andaz Hotel am Schwabinger Tor kann nicht nur Fleisch – das aber besonders gut.

So langsam hat sich das Schwabinger Tor zu einer guten Adresse für kulinarische Genüsse aller Art entwickelt: Rund um das Andaz Hotel kann man im Jaadin vietnamesische und panasiatische Spezialitäten probieren, im Portun moderne Balkanküche entdecken, im Marta einen Ausflug nach Italien unternehmen, ums Eck im La Bohème Fine Dining und Event-Gastronomie erleben und direkt im Hotel in der M’Uniqo Rooftop Bar im 12. Stock über den Dächern Schwabings mediterrane Häppchen und Pizza zu erstklassigen Drinks und Cocktails genießen.

Ein Highlight ist der Besuch im The Lonely Broccoli, das zur Eröffnung vor ein paar Jahren bereits vorgestellt wurde. Aufgrund der neu eingeführten „Smoker Days“ wurde der Autor eingeladen, die geräucherten und gegrillten Fleisch-, Fisch- und Gemüsespezialitäten zu probieren, die jeden Dienstag (ursprünglich bis Ende März geplant, jetzt aber verlängert) von einer speziellen Karte als dreigängiges Menü (65 € p. P.) angeboten werden. Kleiner Tipp: Man sollte Hunger mitbringen.

Zu einem nicht ganz günstigen, aber höchst vollmundigen Château Fuissé Bourgogne Blanc (0,1 l / 12 €) wurde rösches Krustenbrot gereicht – und mit dem Dip kam der Erstkontakt mit dem Feuer: Die freundliche junge Dame im Service brachte auf einem kleinen Tellerchen einen hellen Würfel mit Docht – was zunächst wie eine Kerze von Ikea aussah, entpuppte sich nach dem Anzünden als leicht gewürztes Enten- und Gänseschmalz, das als geschmolzener Aufstrich hervorragend zum Brot passte. Eine gute und nachhaltige Idee.

Gänse- und Entenfett-Kerze als Brotaufstrich (c) Rainer Germann

Es folgte eine Etagere mit den Vorspeisen: ein wirklich raffiniert angemachter Tatar vom Weiderind mit Eigelbcreme, Schnittlauch und buntem Pfeffer; cremige Burrata auf geräucherter Artischockencreme mit Pistazie, Kirschtomaten und Basilikum. Nur „von der Flamme geküsst“, wie der begleitende Genießer aus Österreich passend bemerkte, war der gebeizte Saibling (hätte vielleicht noch ein bisschen lauwarm sein können). Dazu gab es Gurkenrelish und gegrilltes Sauerteigbrot – einfacher Genuss auf hohem Niveau.

Auf zwei großen Platten wurden dann die Hauptgerichte serviert – ob diese vom jungen Küchenchef Tobias Mielke als eine Hommage an vergangene Zeiten im Balkan-Grill zu verstehen sind, haben wir versäumt nachzufragen. Was sich darauf befand, spielte allerdings in einer ganz anderen Grill-Liga.

Zum Glück schmuggelte sich noch ein kleines Glas The Pale Rosé (Château d’Esclans) als passende Begleitung zum à point über Zedernholz geräucherten Kabeljau dazwischen, bevor es üppig wurde: Ein würzig marinierter Maishendl-Schenkel, geräucherter und glasierter Schweinebauch sowie Wagyu-Onglet wurden begleitet von gegrillten Maiskolben mit Chili-Limetten-Butter, dem namensgebenden Broccoli mit Mandelbutter, Süßkartoffeln aus der Asche und dicken Steak Fries.

Frisch vom Josper Grill: Smoker Days-Platte (c) Rainer Germann

Was soll man sagen: Das Hähnchenfleisch war superzart, der Schweinebauch zerfloss im Mund, das auch hanging tender oder Nierenzapfen genannte Onglet war perfekt gegrillt. Auch die Beilagen waren ein Genuss – besonders der Broccoli mit den Mandeln. Ein roter Ansitz Waldgries Lagrein 2023 aus Südtirol (10 €) konnte gut mit den ganzen Röst- und Raucharomen mithalten. Auch der vorgeschlagene Tempranillo, ein Barbera d’Alba oder gar ein Primitivo wären passend gewesen.

Süßes Finale (c) Rainer Germann

Als süßes Finale gab es dann noch Ananas mit einem Quarkbällchen, Rauchsalz, gekrönt von weißer Kuvertüre und „Andaz-Rooftop-Honig“. Hintergrund: Das Lonely Broccoli baut jetzt, wie das Mural Farmhouse, auf dem Dach des Hotels Gemüse und Kräuter an und hat sogar eigene Bienenstöcke.

Fazit: Allein der Blick in die offene Küche mit dem riesigen Josper Grill ist eine Schau – was hier für Karnivoren auf die Teller kommt, ist von bester Qualität, die man schmecken kann. Auch die Raffinesse bei der Zubereitung der Vor- und Nachspeisen ist erwähnenswert, und dass Gemüse den Kontakt mit dem Feuer nicht zu scheuen braucht, wird hier nachhaltig bewiesen. Der Besuch ist zwar kein Schnäppchen, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis für dieses Niveau stimmt. Ein guter Teil der Klientel sind Hotelgäste, aber auch für Münchnerinnen und Münchner aus der Innenstadt könnte der Ausflug ans Schwabinger Tor (s. Anfang) immer interessanter werden.

  • Name: The Lonely Broccoli (im Andaz Hotel München)
  • Adresse: Leopoldstraße 170, 80804 München
  • Öffnungszeiten: Di – Sa: 18 bis 23 Uhr

Ebenfalls ein Tipp für Fleischfreunde: www.in-muenchen.de/gastro/restaurants/1-jahr-st-ribs-am-viktualienmarkt.html