Marco Carola macht Überstunden im Pacha, Fat Dog lassen es im Import/Export krachen und Valentino Vivace bringt sommerliche Disco-Vibes in die Milla.
Liam Mour
Wer sich der Freundschaft des großen Neo-Klassik-Experimentalisten Nils Frahm erfreut und mit diesem auf Tour unterwegs war, muss natürlich auch selbst was auf dem Kasten haben. So kommt Liam Mour seit seiner grazil verklöppelten Debüt- Single „Douro“ von 2020 als Musikproduzent und Filmkomponist denn auch mit einem Output zwischen Electronica und analogen Instrumentarium um die Ecke, der spürbar an der Experimentierlust Nils Frahms geschult ist – und dabei doch eine ganz eigene Note verströmt. Mit „All Set Let’s Swim“ hat Mour bei seinem Konzert am 1. April in der Kranhalle nun eine neue EP dabei, deren Tracks in ihrer edel produzierten Ambient- und Trip-Hop-Melancholie mitunter nach Moby zu seinen besten Zeiten klingen.
Marco Carola
Bibi Finster + Oh No Noh
Fat Dog
Eine hochenergetische Angelegenheit erwartet einen am 8. April im Import/ Export, wenn dort die englische Band Fat Dog zu Gast ist. Bringt das Quintett aus London bei der Präsentation seines via „Domino“ erschienenen Debüts „WOOF.“ doch einen ebenso futuristischen wie kraftvollen Soundentwurf auf die Bühne, der enorm zornigen Dancepunk mit Anteilen aus der jüdischen Klezmer-Musik vereint. Wenn nichts schief geht, wird man diese fünf wohl zum letzten Mal im kleinen Rahmen erleben dürfen, denn so was durchgeknallt Kathartisches wie diese Platte hat die Welt tatsächlich noch nicht gehört.
Aisha
Nicht minder schweißtreibend dürfte auch das Set von Aisha aus Glasgow ausfallen, die am 11. April „all night long“ in der Roten Sonne auflegt. Zwischen pumpendem psychedelischen Techno und Ausflügen Richtung Trance steht die schottische DJ mit gehörig erhöhten Beats per Minute ziemlich repräsentativ für die seit einiger Zeit schon veränderte Ausrichtung der Roten Sonne in Richtung eines Underground- Clubs mit Lust an der härteren Gangart. Umso schöner also, dass Aisha dabei auch ein Feingefühl für griffige Melodien mitbringt, das diesen heftigen Brettereien einen ganz eigenen euphorisierenden Touch verleiht.
Kölsch
Wer sich nach einem Kölner Bier im Kleinformat benennt und dabei mit „Kompakt“ auf einem Kölner Label der qualitativen Extraklasse erscheint, sollte der Logik nach eigentlich auch aus Köln stammen. Tatsächlich jedoch ist Rune Reilly Kølsch alias Kölsch Däne und stammt aus Kopenhagen, was der fruchtbaren Zusammenarbeit natürlich keinen Abbruch tut, sondern vielmehr einen guten Witz ergibt. Als Produzent und DJ ist Kölsch ohnehin über jeden Zweifel erhaben, denn seine gleichermaßen emotional aufgeladenen wie fein geschliffenen Tracks mit Hang zum Pop- Appeal gehen ebenso ins Herz wie in die Beine, wie sich sicher auch bei seinem Set im Blitz Club am 20. April zeigen wird.
Valentino Vivace
Bleibt mit dem italienischsprachigen Schweizer Valentino Vivace noch einer, der den Vibe der guten alten Italo- Disco derart lockerflockig in eine Form von Eighties-Pop zu überführen weiß, dass man zu seinem neuen Album „Discoteca Vivace“ am liebsten jetzt schon in den Sommer hineintanzen möchte. Am 29. April kommt dieser wunderbare Retromane nun für ein Konzert in die Milla, um dort mit Songs wie „Anima romantica“ oder „Hulahoop“ schon mal in Erinnerung zu rufen, wie sich die so lang vermisste sommerliche Leichtigkeit anfühlt.